Dysphagie-Forum
Forschung
Hohe Prävalenz von Aspirationen
bei geriatrischen
Patienten mit neurogener Dysphagie
M. Blonder, S. Dienlin, A. Hofmayer, K. Weil
Fragestellung
Es
sollte die Prävalenz von Aspirationen bei geriatrischen Patienten
mit neurogener Dysphagie untersucht werden.
Methodik
Es
wurden, im Zeitraum vom 01.01.2000 bis 15.07.2000, 64 geriatrische
Patienten mit klinisch manifester neurogener Dysphagie, zu Beginn
der stationären Rehabehandlung in unserer
Klinik instrumentell untersucht.
Grundlage
für die Indikationsstellung der apparativen Farbschluckanalyse war
das Ergebnis der klinischen Untersuchung (der Muskelfunktionen,
der Sensibilität und der Atemwegsprotektion). Als apparative Suchmethode
wurde die transnasale Fiberskopie
eingesetzt (Bronchoskop Olympus BF 3C30 / Blickwinkel 120° geradeaus,
Arbeitslänge 55cm, Außendurchmesser des distalen Endes 3,5mm). Der
Untersuchungsablauf umfaßte die Ruhebeobachtung und die Funktionsprüfung
mit Konsistenzen (halbflüssig/flüssig/fest) vom Velopharynx bis
zum Larynx. Die strukturierte Befunderhebung erfolgte mit Hilfe
von Videoaufzeichnungen.
Die
Ergebnisse der klinischen und der apparativen Untersuchungen wurden
miteinander verglichen.
Ergebnisse
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Das
mittlere Alter der Untersuchten betrug 77,3 Jahre. Es fand sich
kein signifikanter Altersunterschied zwischen Patienten mit
und ohne Aspiration. |
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95,3%
Patienten (n=61) wurden aus einer Akutklinik übernommen, nur
4,7% (n=3) der Patienten wurden vom Hausarzt überwiesen. |
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Die
Dysphagie war zum Zeitpunkt der Aufnahme nur bei 43,8% (n=28)
aller Untersuchten bekannt. |
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Die
funktionelle Fiberskopie ergab bei 95,3% (n=61) der Patienten
einen auffälligen Befund (Retention, Penetration, Aspiration).
48,4% (n=31) der Patienten wiesen eine Aspiration auf, wobei
der Anteil der stillen Form 54,8% (n=17) der endoskopisch gesicherten
Aspirationen betrug. Bei 36,7% (n=18) der Untersuchten mit klinischem
Verdacht auf eine Aspiration konnte endoskopisch keine Aspiration
festgestellt werden. Bezüglich Aspirationskonsistenzen fand
sich keine Übereinstimmung in 61,3% (n=19) der Fälle. |
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Die
Verteilung der endoskopisch gesicherten Aspirationen nach Diagnose
gestaltete sich wie folgt: Hirninfarkt 71% (n=22), Multiinfarkt
16,1% (n=5), Hirnblutung 6,5% (n=2), M. Parkinson 6,5% (n=2). |
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Das
mittlere Zeitintervall in Tagen zwischen Ereignis und instrumenteller
Untersuchung (ausgenommern Parkinsonpatienten) lag bei 51 Tagen,
bei Patienten mit Aspiration bei 61 Tagen, bei Patienten ohne
Aspiration bei 42 Tagen. |
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87,1%
(n=27) der Patienten mit instrumentell gesicherter Aspiration
erhielten eine perorale Ernährung bis zum Zeitpunkt der stationären
Aufnahme bei
uns. |
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Der
mittlere (median) Barthel-Index bei Aufnahme in unserer Klinik
lag unabhängig vom Schweregrad der Dysphagie bei 10 Punkten. |
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Die
Therapie-Empfehlungen bei allen untersuchten Patienten wurden
folgenden Gruppen zugeordnet, wobei Mehrfachnennungen möglich
waren: Ernährung non peroral 28,1 % (n=18 ), PEG-Indikation
18,8% n(=12), Schluckdiät 56,3 % (n=36 ), Kostaufbau 6,3 % (n=4
), Vollkost 6,3 % (n=4 ), funktionelle Therapie 75,0 % (n=48
). |
Schlußfolgerungen
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Es
konnte eine sehr hohe Prävalenz von Aspirationen bei geriatrischen
Patienten mit neurogener Dysphagie während der geriatrischen
Rehabehandlung nachgewiesen werden. Der Anteil der stillen Aspirationen
war hoch. |
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Die
klinische Untersuchung lieferte eine hohe Zahl an falsch positiven
Ergebnissen bezüglich Aspiration, sie war nicht geeignet zur
Identifizierung der Aspirationskonsistenzen. |
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Die
Dysphagie war zum Zeitpunkt der Übernahme bei den meisten Patienten
nicht bekannt oder in den Verlegungsunterlagen nicht mitgeteilt
worden. |
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Patienten
mit und ohne Aspiration unterschieden sich nicht hinsichtlich
der zugrundeliegenden Diagnosen. |
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Die
instrumentell gesicherte Aspiration führte nicht automatisch
zu einer non peroralen Ernährung, sondern zu einer differenzierten
und individuell angepassten Therapie. |
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Der
Einsatz der transnasalen Fiberendoskopie sollte bereits früh
in der Akutklinik und nicht erst in späten Phasen der Rehabilitation
erfolgen, um schwerwiegende Komplikationen von Dysphagien zu
vermeiden. |
Literatur
1.
Bartolome, G.; Buchholz, D.W.; Feussner, H.; Hannig, Ch. et al.
(1999). Schluckstörungen. Diagnostik und Rehabilitation. München
/ Jena: Urban & Fischer
2. Karnell, M.P. (1994). Videoendoskopy from Velopharynx to Larynx.
Clinical Competence Series San Diego, California: Singular Publishing
3. Mann, G.; Hankey, G.J.; Cameron, D. (1999). Swallowing Funktion
After Stroke. Prognosis and Prognostic Factors at 6 Month. Stroke
30
4. Murray, J. (1999). Manual of Dysphagia Assessement in Adults.
San Diego: Singular Publishing
5. Stanschus, S. (2000). Videofluoroskopie und diätetische Maßnahmen
bei Dysphagie. Forum Logopädie: Heft 3 (14)
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